KUNSTHALLE GRAZ
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Die Qualität der Malerei von Willy Rast zeigt sich in seinen Valeurs, was den Lichtwert der Farbe einerseits meint, wie auch die Abstimmung aller Farben im Bild. Dass nämlich ein Bild immer auch ein (gewollter oder ungewollter) Dialog mit der Sonne ist, daran erinnert die Farbmischung, die in der  Malerei eine subtraktive ist, im Gegensatz zur additiven der Farblichtmischung des Fernsehapparats. So kann man sich ein Bild auch wie ein Schild vorstellen, worauf einzig die reflektierten Frequenzen des Lichts sichtbar sind.

Der Maler schildert also ab, wie Perseus das Medusenhaupt, um nicht vor der Wirklichkeit zu Stein zu erstarren. Denn auch eine Notwehr ist die Malerei, ein Verhandlungsvorschlag über das Verhältnis zur Realität, manchmal auch eine Art Rettungsboot, in dem man Menschen; Gefühle, Gebärden, Erinnerungen und Atmosphären evakuiert.

Und das alles ist Willy Rasts Malerei, und auch und vor allem ist sie ein langsamer Prozess der Abgleichung von (äußerer) Wahrnehmung und (innerem) Erlebnis, aus gewachsener Haltung und anforderndem Istzustand. Abgehandelt wird das in einem lange offen gehaltenen Malvorgang, bei dem das ursprüngliche Vorhaben, bereichert oder geläutert, Schicht um Schicht aus dem Farbmilieu in der Textur als Gestalthaftes hochgearbeitet wird.

Dieser langsame Malprozess ermöglicht es Willy Rast erst, auch widersprüchlichste Farbkombinationen in eine letztlich harmonische Verhältnis-mäßigkeit zu bringen. So gelingt es ihm auch in Farbklang und Duktus, je nach Absicht, südlichere, dramatische oder melancholische Stimmungen zu erzeugen.

Seit dem Impressionismus scheint es ja fast unanständig über das Thema zu sprechen, nachgerade wo es eine Entwicklung gab, der das Medium selbst Botschaft genug war, eine Philosophie, die sich in Wortgirlande oder Statistik erschöpft und einem Zeitgeist, dem die bloße Unterscheidung wichtiger ist, als die Verbindlichkeit.

Das Thema von Willy Rast war immer schon die Menschenwelt und ihre emotionellen Aggregatzustände, die er in Gestik, Farbe und Beziehungsgeflecht am Bild gewichtet und die auch in unterschiedlich ausformulierten Konstitutionen sich in seinem Bildraum zeigen, der oft keinen physikalischen Gesetzen zu unterliegen, sondern der eher einen gedanklichen Raum suggeriert, mit Erinnerungen, Schwebezuständen, Bedenklichkeiten, Entwurzelungen, Andeutungen, auch Wärme und Kälte gibt es, Revisionen, Überlagerungen...

So hat sich Willy Rast ein vielschichtiges Alphabet farblicher Gefühlszustände erarbeitet, die vorbegriffliche Emotionalität über gestalthafte Szenarien abhandelt, die Schicksalsgemeinschaften bilden und als ganzheitliche Atmosphären den Betrachter sofort suggestiv eingemeinden.

Erwin Michenthaler 2014
Bildhauer, Maler, Texter